Agil im Großen

Agile Frameworks im Großen – So finden Sie das richtige Framework

Jedes Unternehmen muss sich heute am Markt agil und flexibel aufstellen. Aber nicht alle Skalierungsframeworks sind für jeden Bedarf gleich gut geeignet. Cassini-Berater Patrick Daut durchleuchtet vier Frameworks, findet Gemeinsamkeiten und bietet Kriterien für die Auswahl passender Methoden an.

Die Digitalisierung verändert die Dynamik der Märkte und die Kundenbedürfnisse immer radikaler. Raschere Produktentwicklungs- und Innovationszyklen sind gefordert. Wer hier zögert, verliert schnell den Anschluss. Es besteht daher hoher Handlungsbedarf für Unternehmen jeder Größe: nur wenn die gesamte Organisation agiler und flexibler umgebaut und neu strukturiert wird kann adäquat auf Veränderungen eingegangen werden. Doch wie findet man das richtige agile Framework dafür?

Skalierung als Herausforderung

Für die agile Entwicklung eines Unternehmens kursieren dabei verschiedene Ansätze und Frameworks auf dem Markt: Scaled Agile Framework (SAFe), Large-Scale-Scrum (LeSS), Agile Scaling Cycle, Spotify Engineering Culture.

Unser Ansatz: Wir stellten diese vier Skalierungsmodelle auf den Prüfstand. Die erste Analyse ergibt dabei, dass nicht jedes Skalierungsmodell für jeden Bedarf gleich gut geeignet ist.
Cassini als führende Digitalberatung Deutschlands bietet Ihnen als Projekt- oder Entwicklungsleiter hier konkrete Entscheidungshilfe, damit Sie für Ihr Umfeld das jeweils passende Framework auswählen.

Das richtige Skalierungsframework für Sie

Allen vier Ansätzen und Frameworks gemeinsam sind Ideen und Prinzipien des Lean Thinking: mit Fokus auf Werthaltigkeit, Wertströme, Flussorientierung, Pull-Prinzip und Qualität. Auffallend ähnlich sind auch grundlegende Organisationsstrukturen in ihren jeweiligen Definitionen.

Erhebliche Unterschiede gibt es im methodischen Ansatz, der Ausgestaltung und auch in der Komplexität ihrer Beschreibungen.

Vier Ansätze agiler Entwicklung

Was zeichnet diese vier Skalierungsframeworks nun grundsätzlich aus?

1.      Scaled Agile Framework (SAFe)

SAFe definiert ein komplexes, sehr ausgefeiltes Framework agiler Strukturen in Großunternehmen. Aufbau, Rollen und Abhängigkeiten werden benannt. Ebenso Prozesse im Hinblick auf verbindliche Timelines. SAFe liefert bereits viele Methoden und Praktiken und stabile Organisationsstrukturen, die die beteiligten Teams integriert und klare Rollen umschreibt.

2.      Large-Scale Scrum (LeSS)

LeSS definiert eine einfache Struktur, meist einzelne Scrum-Teams und eine Hierarchie aus Product Ownern. Abläufe im und zwischen Teams sind auf Scrum basierend koordiniert, z. B. als Scrum-of-Scrum.

3.      Agile Scaling Cycle

Agile Scaling Cycle setzt sich zu SAFe und LeSS ab, indem es weniger für Aufbau und Ablauf einer Organisation gedacht ist, sondern als Prozess zur Entwicklung von situationsgerechten Organisationsformen für die jeweilige Umgebung angelegt ist.

4.      Spotify Engineering Culture

Diese umschreibt die Organisationsstruktur der Produktentwicklung beim schwedischen Streamingdienst Spotify, stellte also eher eine Best Practice dar. Hier liegt der Fokus auf dem Aufbau einer Organisation, also Struktur und Koordination von Teams, in einem schlanken Unternehmen wie Spotify. Hier greifen sogenannte Tribes, in denen sogenannte Squads als agile Teams zusammengefasst sind.

Methodik auf dem Prüfstand von Cassini

Ein Quervergleich der vier Frameworks untersuchte diese anhand von sieben Aspekten: der jeweilige Ansatz, die Basis, Hierarchie, Aggregationsebene, Produkt Owner, Querschnittsfunktion und Komplexitätsbewältigung. Eine detaillierte Aufstellung finden Sie in diesem Fachartikel: ARTIKEL DOWNLOADEN

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

So ist die Aggregationsebene, also wie mehrere Teams koordiniert werden, recht unterschiedlich gedacht. Das deckt sich mit der Etablierung hierarchischer Strukturen für die Organisation. Auffallend ist die Gemeinsamkeit von Ansätzen, die der fachlichen Koordination über das einzelne Team hinaus dienen, sogenannte Communities of Practice. Wenn Sie diese Punkte vertiefen möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Fachartikel.

Der Kontext muss stimmen. Werden die Leitgedanken von Lean und Agilität nicht verstanden, kann keine Methode ihre Vorteile ausspielen. Die Ideen dahinter müssen mittransportiert werden. Werden nur die formalen Elemente umgesetzt, bleibt der Erfolg aus.

Patrick Daut

Für Sie als Projektleiter sind die unterschiedliche Komplexität dieser Frameworks gerade in Hinblick auf teamübergreifende Mechanismen zur Koordination sowie der unternehmensspezifische Umgang mit Komplexität relevant. Dabei sind zwei Dimensionen als relevante Einflussfaktoren maßgebend, um einen der vier Ansätze auszuwählen:

1.      Die Größe der Organisation, die es zu entwickeln gilt.

2.      Die Komplexität von Unternehmen, Branche und Produkt.

1.      Einflussfaktor Größe der Entwicklungsorganisation

  • Wie viele Mitarbeiter hat das Team für Produktentwicklung und -management?
  • Wie viel Erfahrung mit agiler Entwicklung hat das ganze Unternehmen?
  • Wie aufwendig wäre es, argumentativ und ganz praktisch, entsprechende, übergreifende Team zu besetzen?

Nutzen Sie diese Leitfragen, um einen ersten Eindruck von der Kultur zur Agilität in Ihrem Unternehmen zu gewinnen. Identifizieren Sie Bewahrer und Unterstützer, entwickeln Sie entsprechende Strategien.

2.      Einflussfaktor Komplexität von Unternehmen, Produkt und Branche

  • Wie viele Mitarbeiter hat das gesamte Unternehmen?
  • Welche Komplexität hat Ihre Organisation, wie intensiv kann/muss agile Entwicklung eingebettet werden?
  • Wie komplex sind Ihre Produkte, worauf fußt die Wertschöpfung?
  • Was sind die Risiken in der Produktentwicklung, routinierte Weiterentwicklung oder innovative Neuentwicklung?
  • Wieviel externe Stakeholder müssen Sie berücksichtigen?
  • Wie umfangreich sind rechtliche Regularien für das Produkt?

Wenn Sie anhand dieser Leitfragen das Bedingungsfeld für eine agile Entwicklung in Ihrem Unternehmen abgesteckt haben, hilft es, sich vor Augen zu führen, welchen Komplexitätsgrad Sie erwarten.

Das richtige Framework für die passende Komplexität und Agile Reife

Schauen Sie sich in unserem Fachartikel auch unsere Case Studies an. Ganz allgemein bieten sich für folgende Situationen in Unternehmen folgende Skalierungsframeworks an:

  • Scaling Cycle oder Spotify – bei geringer Komplexität in mittelständischen Unternehmen (ca. 500 Mitarbeiter)
  • LeSS – bei mittlerer Komplexität und nicht zu großen Entwicklungsorganisationen (ca. 10.000 Mitarbeiter)
  • SaFe – bei hoher Komplexität und großen Entwicklungsorganisationen (mehr als 10.000 Mitarbeiter)

Fassen wir zusammen: die untersuchten Frameworks unterscheiden sich im Ansatz, Detailgrad und Komplexität. Sie folgen aber den gleichen grundlegenden Prinzipien. Welches Frameworks sich nun für Ihre Ziele am besten geeignet, muss anhand der hier aufgeführten Grundsatzfragen geklärt werden.

Gerade wenn noch wenig Erfahrung mit agilen Konzepten vorliegt, empfiehlt sich auch ein komplexes Framework: Es definiert Prozesse, Zwischenpunkte und Entscheidungspunkte und erlaubt einen „schnellen“ Start. Hat Ihre Organisation gelernt, innerhalb eines starren Frameworks agiler und schneller zu arbeiten, so kann ein Wechsel in ein weniger starres Framework ratsam sein.

Stark im Wettbewerb durch agile Entwicklung

Schieben Sie die Wahl und Implementierung eines agilen Skalierungsrahmen nicht auf die lange Bank. Mit dem geeigneten Framework nimmt Ihre Organisation rasch Fahrt auf und lernt, auf Märkte und Kunden gewinnbringend zu reagieren. Cassini als eine der führenden Digitalberatungen Deutschland unterstützt Sie gern bei dieser Entwicklung.

Von: Patrick Daut
Patrick Daut
Management Consultant
Artikel teilen